Konferenz „1968–1988–2008: SCHICKSAL DER IDEEN“
Ralf Fücks, Michail Gorbatschow, Olga Sdrawomyslowa
So unterschiedlich die Bewegungen selbst in Europa waren: Die Losung  „Seid realistisch, fordert das Unmögliche“ war allen europäischen Protestbewegungen des Jahres 1968 gemein. Doch die Gegner waren andere – und damit auch die Träume und Forderungen. In Westeuropa wandte sich die studentische Revolution mit einer jugendlich-frechen Krawallsprache gegen die „Konsumgesellschaft“. Die polnischen Studenten, die Tschechen und Slowaken versuchten die verglimmenden sozialistischen und kommunistischen Ideale zu erneuern. Die sowjetischen Dissidenten dagegen beriefen sich auf die Idee, Recht sei das Gegengewicht zu totalitärer Macht.

Die Gegenreaktionen in West und Ost unterschieden sich ebenfalls. Das westeuropäische Establishment bemühte sich nach einigem Ringen um eine Transformation der Revolution und begab sich mehr unwillig als freiwillig auf den langen Weg zu politischen und gesellschaftlichen Reformen. Dieses pragmatische Projekt zog allerdings radikale Veränderungen der politischen Kultur des Westens nach sich. Die osteuropäischen Autoritäten beantworteten die Gehorsamsverweigerung (eines Teils) ihrer Untertanen mit politischer Verfolgung, Repressionen und letztlich durch den Einsatz der Panzer die den Prager Frühling niederwalzten. Im Osten erfolgte die gesellschaftliche Erneuerung erst mit zwanzigjähriger Verspätung. Darin liegt einer der tieferen Gründe für das Drama der Perestrojka in der Sowjetunion.

Trotzdem war das Jahr 1988 – der Beginn der Perestrojka wie auch der Vorabend der „Samtenen Revolutionen“ und des Falls der Berliner Mauer – zweifellos das Jahr, in dem die Hoffnungen auf eine „andere Welt“ in ganz Europa wieder auflebten. Es war das erste derartige Hoffnungsjahr nach den denkwürdigen Ereignissen von 1968.

Auf der gemeinsamen Konferenz der Heinrich Böll Stiftung, der Gorbatschow-Stiftung und Memorial Ende November 2008 in Moskau versuchten Zeitzeugen und Handelnde aus Russland, Deutschland und Tschechien auf die Frage zu antworten was heute aus den Hoffnungen und Ideen der Jahre 1968 und 1988 geworden ist. Unter anderem Michail Gorbatschow, Andrej Bitow, Ralf Fücks, Milan Horacek, Alexander Daniel und Ludmila Alexejewa diskutierten über die Ideen und Resultate von vierzig Jahren Hoffnung, Illusion und Enttäuschung, aber auch über das dennoch erreichte.

Jour-Fixe
Wednesday, 8 February 2012, , 19:00 – 21:00

Jour-Fixe: One year into the Arab Spring: Results, Developments and Outlooks

Speakers:

Mouin Rabbani is an independent Middle East researcher and analyst currently based in Amman, Jordan. He is a Senior Fellow with the Institute for Palestine Studies, Contributing Editor to Middle East Report, and Co-Editor of Jadaliyya.

Irina Zvyagelskaya holds a PhD in History and is Professor, Senior Researcher at the Institute of Oriental Studies and the Russian Academy of Sciences. She has been lecturing at the Moscow Institute of International Relations under the Foreign Ministry of the Russian Federation and at The Institute of African and Asian Studies (Moscow State University). Her fields of interest are conflicts, international relations and security issues (mainly in the Middle East and Central Asia). She is author of six books and over 200 articles and chapters.

Moderation: Sergey Lukashevsky, Director of the Sakharov Museum and Public Center

Venue:

Conference room (2. floor)

Sakharov Museum and Public Center

Semlanoy Val street 57/6

RUSSLAND-BLOG ERENE Demokratie in Russland. Dossier in deutscher Sprache.